John Hejduks Kreuzberger Wohnturm verliert sein Gesicht

Berlin, den 18. März 2010

Innerhalb der Architektengemeinde macht sich angesichts der derzeit laufenden lieblosen Sanierung des Berliner “Kreuzberg Towers“, einem der seltenen Bauten des verstorbenen Architekten John Hejduk, allmählich Unruhe breit.

Hejduks “Turm” – der eigentlich aus einem schlanken 14-geschossigen Hochhaus flankiert von zwei fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern besteht – gehört zu nicht einmal einer Handvoll tatsächlich ausgeführter Arbeiten des einflussreichen Architekten. Von diesen stehen drei Exemplare auf Berliner Boden, allesamt als sozialer Wohnungsbau im Rahmen der Internationalen Bauausstellung “IBA 1987” entstanden.

Der Komplex des Kreuzberg Towers ist bezeichnend für Hejduks späte Entwürfe, die eine nachhaltige Faszination für einfache geometrische Formen, erzählende Mythologie und einen mit vermenschlichenden Darstellungen spielenden Symbolismus offenbaren. Die drei in Berlin ausgeführten Entwürfe Hejduks widersetzten sich damals mit ihrer zurückgenommen Farbpalette aus Grau- und Grüntönen unmittelbar den vorherrschenden postmodernen Trends – vom Architekten selbst waren sie als Hommage an den einzigartigen Himmel und die vorhandene Baustruktur der Stadt gedacht.

Die Häuser wurden von den jetzigen Eigentümern erst vor Kurzem in Folge einer Zwangsversteigerung erworben, nachdem sie lange Zeit vernachlässigt worden waren. Auf den im Zuge der derzeit durchgeführten Sanierungsarbeiten veröffentlichten Bildern der geplanten neuen Fassadenansicht erkennt man den Abriss der oberhalb der Fenster angebrachten charakteristischen Markisen, eine Vergrößerung der Balkone und eine neue Farbfassung in Weiß und Rosa – von der Verwaltungsfirma BerlinHaus Verwaltung GmbH als „Wohnen mit Geschmack“ und „Wohnungen im Bauhausstil“ beworben. Parallel zu den Renovierungsarbeiten werden die gegenwärtigen Mieter durch kräftig angehobene Mieten zum Auszug gezwungen.

Dr. Renata Hejduk, Tochter John Hejduks und Baugeschichtlerin, trat bereits Anfang des Jahres an die Besitzer heran mit der Bitte um eine Erklärung der beabsichtigen Veränderungen an den Gebäuden, bekam jedoch nur eine negative Antwort. Renata Hejduk meint dazu: „Ich habe alles mir Mögliche versucht, damit sie erst einmal aufhören und sich zumindest erst einmal mit den Erben und weitere Architekten, die an der Erhaltung der Gebäude interessiert waren, zu beratschlagen. Die Besitzer zeigten jedoch keinerlei Interesse und waren der Ansicht, dass ihre umgebaute Fassade wesentlich besser als die ursprüngliche sei.“

John Hejduk erlangte größere Bekanntheit als Mitglied der Gruppierung der „New York Five“ um Peter Eisenmann und Richard Meier und war Dekan der Cooper Union School of Art and Architecture in New York in den Jahren 1972 bis 2000.

Links:

Professor Renata Hejduk, PhD – Assistant Professor, Arizona State University, School of Architecture and Landscape Architecture.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s